Diesen Eindruck habe ich im Augenblick, wenn ich
in die immer noch verängstigten Gesichter der Wirtschaft
blicke. Die meisten sind noch vom Wahnsinn der Preispromotions
gezeichnet und freuen sich überlebt zu haben. Nur wenige
haben schon bemerkt, dass der Verbraucher sich verändert
hat. Dass er in der Lage ist zu differenzieren. Dass „Geiz
ist geil“ nur noch in einzelnen Fällen funktioniert.
Dass vielmehr eine Belohnungsmentalität Einzug hält.
Es ist die Geburtsstunde des „neuen Verbrauchers“.
Der Verbraucher arbeitet hart und möchte sich
dafür auch belohnen. Selbst Aldi, der Erfinder des Preiseinstieges,
reagiert darauf und etabliert die ersten Premiumprodukte in seinem
Sortiment.
Marken, die es verstehen, den „neuen Verbraucher“
richtig anzusprechen, gehören zweifelsohne zu den Gewinnern
heute und in der Zukunft.
Nun kann man sich berechtigt die Frage stellen,
ob es für diesen Erfolg eine Geheimformel gibt. Die Antwort
lautet ja. Das magische Wort heißt „Wertewelten“.
Die Marke, die es versteht ihre Kunden in deren augenblicklicher
Zustandsform anzusprechen, der wird es gelingen, auch den Bedarf
abzuholen.
Wir unterscheiden heute grundsätzlich vier
verschiedene Wertewelten:
— Die Lebensfreude — diese jugendliche Zielgruppe
pendelt zwischen Erleben und Freiheit.
— Die Bindung — in familiären und freundschaftlichen
Beziehungen findet diese Gruppe eine sichere Heimat, von der aus
sie startet, um erfolgreich zu sein.
— Die Leistung — als wirklich befriedigend empfindet
diese Gruppe die Dinge, die sie sich durch eigene Anstrengung
verdient hat.
— Die Lebenskunst — mit souveräner Gelassenheit,
mentaler und materieller Unabhängigkeit strebt diese Gruppe
nach einem kultivierten Savoir-vivre.
In der konkreten Umsetzung bedeutet dies, wer versucht
mit seiner Marke „everybody’s darling“ zu sein,
wird den neuen Verbraucher nicht erreichen.
Damit wären wir beim Profil der Marken angekommen.
Um sein Profil entsprechend den Wertewelten zu schärfen,
bedarf es natürlich auch einer Portion Mut und Konsequenz.
Aber fragen Sie sich doch einmal selbst, waren es die Mutigen
oder die Mutlosen, die Baden-Württemberg zu dem Top-Standort
in der Welt gemacht haben?
Selbst im bislang sehr klassischen, vielleicht sogar
konservativen Marktsegment der Finanzdienstleister wurde dieses
Modell entdeckt. Aus dem eindimensionalen Produkt Geld werden
auf einmal mehrdimensionale Markenkonzepte geschnürt. Der
Zugang in die Wertewelten findet dann nicht mit dem Vehikel Geld
statt, sondern mit konkreten Dienstleistungsmarken, die exakt
dem Bedarfsprofil der Wertewelten angepasst sind. So hat natürlich
ein junger Familienvater ein anderes Profil und eine andere Risikobereitschaft
als ein Single.
Auch im Marktsegment der Einrichter und Möbelhersteller
ist dieses Instrument nicht mehr wegzudenken. So kann ein und
dasselbe Produkt in unterschiedlichen Wertewelten eingesetzt werden.
Hier entscheiden dann die Accessoires oder das Raumkonzept. Holt
das Raumkonzept den Verbraucher nicht in seiner Wertew85elt ab,
werden Sie dieses Produkt nicht verkaufen. Wertewelten dienen
hier der geschmacklichen Orientierung und sind somit auch Leitsystem
für den Verbraucher.
Der neue Verbraucher erwartet von der Marke seiner
Wahl, dass sie ihn versteht und in seiner Wertewelt zu Hause ist.
Natürlich können Sie sich nun fragen,
ob diese Systematik auch speziell bei Ihrer Marke und in Ihrem
Marksegment funktioniert? Die Antwort darauf ist ganz einfach.
Der neue Verbraucher bestimmt den Markt. Und nicht umgekehrt.
Strategien für Eroberer
Ralf Deubler
trojawerbeagentur GmbH